Fragen und Antworten zu Mobilität & Umweltschutz

UNSER-ISERLOHN.de stellt 7 Fragen an die Kandidaten...

Frage 5: Neben der Digitalisierung waren vor allem Mobilität und Klimaschutz die großen Themen vor Corona. Wie stehen Sie der E-Mobilität gegenüber und was würden Sie als Iserlohns Bürgermeister im Bereich Umwelt-Klimaschutz gern umsetzen?

Claudio Vurro: Aufforstung, weitere Photovoltaikanlagen, begrünte Dächer, ein gut konzipiertes Radwegenetz und günstigere öffentliche Verkehrsmittel sind nur einige Punkte, bei denen ich sehr kurzfristig ansetzen werde, um die Weichen für ein umweltfreundlicheres Iserlohn zu stellen. Unsere Waldstadt hat ihren Namen verdient und wir sind in der Pflicht, diesen Namen auch zu verteidigen.

Martin Luckert: Umweltschutz ist ein Treiber für Innovation. Als strategische Komponente der Stadtwicklung entlasten wir damit langfristig unseren kommunalen Haushalt, verbessern die Lebensqualität. Beim Ausbau erneuerbarer Energien muss die öffentliche Hand eine Vorreiterstellung einnehmen und die städtischen Gebäude mit Photovoltaikanlagen besetzen. Ich möchte, dass wir als Stadt unsere Planungshoheit bei der Windenergie wahrnehmen und setze auf die Ausweisung von Windpotenzialflächen. Nur so können dem Kreis als Genehmigungsbehörde Vorgaben über mögliche Standorte gemacht. Im Rahmen des Planverfahrens werden auf Basis der der notwendigen Windhöffigkeit potenzielle Flächen gefunden. Diese werden dann mit anderen Kriterien zur Abwägung gebracht, bspw. die Nähe zu Wohngebieten, die Berücksichtigung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten oder der Vogelschutz. Außerdem können dadurch Standortentscheidungen demokratisiert werden. Im Rahmen der Planaufstellung erfolgt nämlich eine umfassende Bürgerbeteiligung. Welche Standorte das am Ende sind, soll das Planverfahren zeigen.

Bei Automobilbereich sehe ich den batterieelektrischen Antrieb als Zukunftstechnologie. Dafür möchte ich die Ladeinfrastruktur innerhalb der Stadt ausbauen – mit den Stadtwerken, aber auch zusammen mit Privaten, die bisweilen sogar auf Förderprogramme zugreifen können, wenn sie ihre Ladesäule für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Dafür soll die Beratungskompetenz im Konzern Stadt verstärkt werden. Bei Neuanschaffungen von Automobilen soll die Stadt für ihren Fuhrpark auf Hybrid-Fahrzeuge, E-Autos und – insbesondere für innerstädtische Wege – auf Kabinenroller und E-Bikes setzen. 

Ich möchte Angebote an Waldkindergärten einrichten, denn früh übt sich, wer vernünftig mit unserer Umwelt umgeht. Der Wald ist die Lunge Iserlohns. Es ist in unserer Verantwortung, nachhaltigen Mischbaumbestand in unserem Stadtwald aufzuforsten und naturnah zu pflegen.

Michael Joithe: Meiner Meinung nach ist E-Mobilität die Zukunft. Die Frage wird nicht sein, ob ein Verbrennungsmotor oder ein Elektromotor in 15 Jahren die Vielzahl der Neufahrzeuge antreiben wird. Die Frage wird eher lauten, ob der Strom für den E-Motor aus Batterien oder anderen Quellen kommen wird. Hier erwartet uns eine spannende Entwicklung, die wir auch in Iserlohn sehr gut beobachten sollten, um die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Der Ausbau der sogenannten erneuerbaren Energien ist bereits losgelöst vom Klimawandel in unserem eigenen Interesse. Als Land, welches über keine nennenswerten fossilen Rohstoffe verfügt, sollten wir ein großes eigenes Interesse daran haben, so weit wie möglich autark zu werden. Je weniger fossile Brennstoffe wir benötigen, umso weniger müssen wir importieren und umso weniger sind wir abhängig. Daher sollten wir uns nicht in Grundsatzdiskussionen verrennen, sondern jetzt einfach mal beginnen, die Möglichkeiten der aktuellen Technik zu nutzen.

Da Windkraft, welche zweifelsohne ein wichtiger Bestandteil der Energiewende ist, enorme Widerstände in der Bevölkerung erfährt, möchte ich mich lieber auf das schnell und unkompliziert umsetzbare Konzentrieren, statt jahrelangen Stillstand durch Gerichtsverfahren zu riskieren.

Ich wünsche mir daher, dass Photovoltaik zum Standard für Dächer, Carports, Großparkplätze, Terrassen-Überdachungen, uvm. wird. In diesem Feld hat Iserlohn enormen Aufholbedarf. Wie kann es sein, dass für 60 Millionen Euro eine neue Schule gebaut wird und auf dem riesigen Gebäudekomplex wird keine PVA installiert? Ich möchte, dass der „Heimatversorger“ in Zusammenarbeit mit unseren Hochschulen einer flächendeckenden PVA Versorgung auf dem Stadtgebiet Priorität einräumt.

Da insbesondere bei Photovoltaik die Erzeugung und der Bedarf des Stroms zeitlich nicht immer zusammenfallen, müssen intelligente Speichertechnologien erforscht und eingesetzt werden. Ich halte die Umwandlung/Speicherung von überschüssigem Sonnenstrom in Wasserstoff für eine Zukunftstechnologie. Die Effizienz, der Wirkungsgrad wird ständig verbessert und Iserlohn kann auch in diesem Themenkomplex eine Vorreiterrolle einnehmen. Neben einer Speicherung in Wasserstoff halte ich die praxisnahe Forschung der Firma REMONDIS im Bereich der „Second-Use-Batterie“ für sehr interessant. Hierbei werden ausgediente PKW-Batterien genutzt um riesige Akku-Speicher aufzubauen, in welchem überschüssiger Strom zwischengespeichert wird.

Beide Technologien möchte ich unter Einbeziehung unserer Hochschulen in Iserlohn vorantreiben. Damit können wir nicht nur die ersten Schritte in Richtung einer komplett energieautarken Kommune machen, sondern werden zusätzlich als Standort für in diesem Bereich forschende Unternehmen interessant.

Bei der Umsetzung der genannten Ideen möchte ich versuchen zu erreichen, dass möglichst alle Bürger unserer Stadt davon profitieren. Zunächst können wir alle über den Strompreis davon profitieren. Zusätzlich möchte ich die Umsetzung und Finanzierung dieser Zukunftsvision bestenfalls mit Hilfe von Bürger-Genossenschaften prüfen, um unabhängig von den „Big Four“ der Stromkonzerne zu werden. Bürger für Bürger – Gemeinsam in eine saubere Zukunft!!

Manuel Huff: Ich sehe die E-Mobilität nicht als die alleinige Lösung in der Frage der sogenannten Antriebswende. E-Mobilität ergibt insbesondere bei kleinen Fahrzeugen (Motorroller, elektrisch unterstützte Fahrräder…) und im Nahbereich Sinn. Ich halte die Wasserstoff-/Brennstoffzellentechnologie für vielversprechender und werde mich dafür einsetzen, dass Iserlohn in Zusammenarbeit mit der lokalen Wirtschaft und den Bildungseinrichtungen zur Wasserstoff-Modellkommune wird. In der Iserlohner Müllverbrennungsanlage kann relativ einfach Wasserstoff gewonnen werden. Mit diesem können in einem ersten Schritt Busse und Müllfahrzeuge klimafreundlich fahren, ohne Reichweitenprobleme wie beim Elektroantrieb zu bekommen.

Weitere Maßnahmen im Umwelt- und Klimaschutz wären ein günstigerer und besser ausgebauter öffentlicher Nahverkehr, die Pflicht zur Dachbegrünung und Photovoltaik bei Neubauten, der Ausbau erneuerbarer Energien in Iserlohn insgesamt, eine Reduzierung des Flächenverbrauchs durch weniger Zersiedelung der Landschaft und bessere Flächenausnutzung, die Förderung des Radverkehrs durch schnellere Umsetzung des Radverkehrskonzepts und eine Stärkung des lokalen Handels und der Landwirtschaft.

Daniel Bläsing: Als Bürger der Wald-Stadt Iserlohn, sowie konservativ bürgerliches Mitglied der AfD, liegt mir der Umwelt- und der Naturschutz sehr am Herzen. Damit wir auch zukünftig eine Wald-Stadt bleiben können, sollten wir gemeinsam mit den örtlichen Förstern und den umliegenden Städten ein Konzept erstellen, wie zukünftig unsere Wälder aussehen müssen, um den aktuellen klimatischen Verhältnissen zu trotzen. Anhaltende Dürreperioden, sowie Schädlingsbefall, haben unserem Wald stark zugesetzt und darauf müssen wir gezielt reagieren. Hier sehe ich es als absolut zwingend an, unseren Wald wieder aufzuforsten, damit wir auch in Zukunft eine Wald-Stadt bleiben können.

Robert Gustävel: Da es, obwohl ich die Akku-Technologie nur für eine Zwischenlösung halte, zu einem Anstieg bei E-Fahrzeugen und Plug-In-Hybriden kommen wird, ist es unumgänglich eine dazu passende Infrastruktur auszubilden. Dies muss sowohl auf den städtischen Parkplätzen und an städtischen Einrichtungen erfolgen also auch auf privaten und gewerblichen Parkflächen. Dazu werden Verhandlungen mit den Eigentümern, den Stadtwerken und Drittanbietern erforderlich sein.

Als ganz wesentlichen Schwerpunkt sehe ich hier, neben der energetischen Sanierung der Bestandsgebäude und anderer Energieverbraucher, Maßnahmen an, die zu einer Vermehrung der Photovoltaikanlagen nicht nur auf öffentlichen Gebäuden sondern auch auf privaten Dächern führen. Zusätzlich halte ich es für sinnvoll, dass bei der sicherlich auch in Zukunft unvermeidbaren Ausweisung von Neubaugebieten schon bei der Konzeption auf umweltfreundliche Konzepte wie Erdwärme, thermische Solaranlagen und PV-Anlagen Wert gelegt wird und solche Anlagen als Nahversorgungssysteme für ganze Siedlungen konzipiert werden. Dabei sind entsprechende Speichersysteme vorzusehen. Auch der Einstieg in eine lokale Wasserstoffwirtschaft unter Einbeziehung des ÖPNV und anderer Fuhrparks ist zu prüfen.

Für ein Gesamtkonzept der Energieerzeugung ist auch die Windkraft einzubeziehen, dies entsprechend der Analysen zum Umwelt- und Naturschutz und unter gleichzeitiger Planung zentraler und dezentraler Speichereinrichtungen.

Kandidatenprofil und Einzel-Interview

Claudio Vurro
Martin Luckert
Michael Joithe
Manuel Huff
Daniel Bläsing
Robert Gustävel