Bürgermeister - Michael Joithe

Bürgermeister - Michael Joithe

Stichwahl – Iserlohn hat gewählt! 

Michael Joithe wird mit 36 Stimmen mehr – neuer Bürgermeister von Iserlohn.

Joithe, DieISERLOHNER = 12.007 / 50.08 %

Kirchhoff, CDU = 11.971 / 49.92 %

Die Wahlbeteiligung lag bei: 33,49 %

Glückwunsch an den Bürgermeister Michael Joithe.

Mehr zum neuen Bürgermeister von Iserlohn…

Name: Michael Joithe
Jahrgang: 1973
Familie: verheiratet, eine Tochter (16)
Wohnort: Iserlohn / Letmathe

Berufliche Tätigkeit: Geschäftsführender Gesellschafter im Familienunternehmen
Berufliche Ausbildung: Bankkaufmann / Diplom Betriebswirt

Interessen: Familie & Freunde / Bildung (Projekte und Ehrenamt) Lesen / Alles rund um EDV und Technik / Geopolitik analysieren

Ehrenamt: Bildung & Jugend: Vorstand Schulpflegschaft, Stadtschulpflegschaft Iserlohn, Regionales Bildungsnetzwerk MK, KJU Iserlohn e.V. Haus der kleinen Forscher – Netzwerkstelle MK, u.v.m.

Partei: Wählergemeinschaft DieISERLOHNER e.V.

E-Mail: mail.michael-joithe.de
Mobil: 0162 9305588 (WhatsApp & Threema)

Homepage: www.michael-joithe.de

Michael-Joithe (Quelle: michael-joithe.de)

7 Fragen an Michael Joithe

Durch die Corona-Pandemie und der daraus resultierenden fehlenden Steuereinnahmen, befindet sich die Stadt Iserlohn schon jetzt mitten in einer nicht eingeplanten großen Herausforderung. Zusätzlich beschäftigt die Iserlohner Bürger*innen vor allem noch die Aufarbeitung der Abfindungsaffäre, Planungen rund um den Schillerplatz, des Rathauses, der Parkhalle und schlussendlich die Schließung Karstadt‘s inklusive Leerstand der Immobilie. Was sind für Sie die dringendsten Herausforderungen des neuen Bürgermeisters?

Michael Joithe: Zu den drängendsten Aufgaben des neuen Bürgermeisters gehört für mich, in dem dargelegten Kontext, eine uneingeschränkte Bestandsaufnahme und tabulose Betrachtung der Situation.

Unser Schuldenberg von rund 400 Millionen Euro (vor Corona), der massive Verbrauch unseres Eigenkapitals und Verschwendungen bei Investitionen haben unsere Stadt in eine extrem prekäre Situation gebracht. Selbst ein Schuldenschnitt der Kassenkredite, von denen wir in Iserlohn in 10 Jahren rund 100 Millionen Euro „aufgehäuft“ haben, würde uns bei unserem strukturellen Defizit im Haushalt nicht wirklich helfen.

Wir müssen unseren Bürgerinnen und Bürgern ungeschminkt die Situation erklären und dann gemeinsam alle anstehenden Großprojekte der Priorität nach ordnen und wahrscheinlich über Jahrzehnte abarbeiten. Bei den dann anstehenden Entscheidungen müssen die Bürger und alle Betroffenen jeweils von Anfang an über „Runde Tische“ eingebunden werden. Die Zeit der Hinterzimmer muss in Iserlohn vorbei sein.

In der Abfindungsaffäre darf es kein Mauern bei Verwaltung und Politik geben und wir können nur hoffen, dass wir jemals die wirklichen Hintergründe erfahren werden. Die Höhe der Summe legt nahe, dass es sich um sehr gewichtige Dinge handeln muss. Durch die Strafanzeige der Wählergemeinschaft DieISERLOHNER und die darauffolgenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, ist es nun Sache der Justiz zu entscheiden.

Viele Bürger kritisieren in dem Zusammenhang der o.g. Thematiken die fehlende Transparenz und Beteiligungsmöglichkeit wichtiger zukunftsorientierter Entscheidungen.
Was würden Sie tun, um das Vertrauen und Verständnis in die Politik und das Rathaus zurückzugewinnen?

Michael Joithe: Mangelnde Transparenz und der Wunsch nach ECHTER Bürgerbeteiligung waren die Gründe, die vor zweieinhalb Jahren zur Gründung der Wählergemeinschaft DieISERLOHNER geführt haben. Aus diesem Grund legen wir natürlich extrem viel Wert darauf, dass es hier maßgebliche Veränderungen in unserer Stadt gibt. Für mich gehört zum Beispiel zu einer transparenten Demokratie, dass Bürgerinnen und Bürger – unabhängig von zeitlichen und räumlichen Beschränkungen – die Möglichkeit haben Ratssitzungen und Debatten in Ausschüssen zu verfolgen. Aus dem Grund halte ich es für notwendig, dass alle Sitzungen nicht nur live ins Internet gestreamt, sondern zusätzlich archiviert werden, um dauerhaft zur Verfügung zu stehen. Ein Arbeitnehmer der nicht um 17 Uhr im Sitzungssaal oder vor seinem PC sein kann, muss jederzeit die Gelegenheit haben, Sitzungen anschauen zu können. Dafür müssen die rechtlichen und technischen Voraussetzungen geschaffen werden.

Sitzungen des Stadtrates und der Ausschüsse teilen sich in einen öffentlichen und einen nichtöffentlichen Teil. Meiner Ansicht nach sind zunächst einmal alle Punkte öffentlich zu besprechen. Aber natürlich gibt es gesetzliche, vertragsrechtliche und persönlichkeitsrechtliche Gründe, bestimmte Dinge nicht öffentlich zu behandeln. Diese müssen aber (1) auf ein absolutes Minimum reduziert werden und (2) es sollte immer versucht werden, mit den Betroffenen über die Freigabe zur öffentlichen Diskussion des Themas zu sprechen. Insbesondere die Verwendung von Steuergeld sollte grundsätzlich vom Bürger überprüfbar sein.

Wenn Sie Bürgermeister werden sollten, dann werden Sie auch Vorgesetzter von ca. 1800 Mitarbeitern & Mitarbeiterinnen im Iserlohner Rathaus. Welche beruflichen Erfahrungen konnten Sei bisher sammeln, auf die Sie für die Führung einer so großen Belegschaft und die Umsetzung der gesteckten Ziele für die Iserlohner Bürger*innen, zurückgreifen können?

Michael Joithe: Ich bin seit 25 Jahren Unternehmer und trage Personalverantwortung, ich bin Ausbilder für kaufmännische Berufe und kann auf mehr als 15 Jahre aktive ehrenamtliche Verbandsarbeit zurückblicken. Unter anderem war ich Landesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren NRW und habe einen Verband mit rund 2.800 Mitgliedern geleitet und war zeitgleich Mitglied im Bundesvorstand. Nach meiner Ausbildung zum Bankkaufmann habe ich Wirtschaftswissenschaften studiert. Meine Schwerpunkte im Hauptstudium waren Personalmanagement und Controlling. In Anbetracht von 1.800 MitarbeiterInnen und einem Schuldenberg von über 400 Millionen Euro, sicherlich nicht die schlechtesten Fachkenntnisse.

Zusätzlich begleite ich Rats- bzw. Ausschusssitzungen seit mehr als 10 Jahren. Über mein Engagement im Vorstand der Stadtschulpflegschaft Iserlohn war ich stellvertretendes Mitglied im Schulausschuss.

Durch sechs Jahre im Rundfunkrat des WDR konnte ich Abläufe in einer großen Verwaltung studieren und das Zusammenspiel verschiedener Gremien (inklusiver politischer Einmischung) selbst miterleben und gestalten.

Im Zuge des Digitalen Wandels und der Veränderung der Arbeitswelt, verändern sich auch die Arbeitsbedingungen und Aufgaben von Personal und Unternehmen. Welches Potential sehen Sie am Standort Iserlohn bzw. wie kann man aus Ihrer Sicht die Beschäftigten und die Wirtschaft in der Neuorientierung unterstützen, um die Herausforderungen zu bewältigen und somit auch die soziale Sicherung der Beschäftigten zu sichern?

Michael Joithe: Um einen Slogan eines Mitbewerbers ein wenig allgemeiner zu fassen: Ich möchte, dass Iserlohn die bürgerfreundlichste Stadt wird! Dazu gehört in erster Linie, dass wir eine Verwaltung haben, die sich zu 100% als Dienstleister der Bürgerrinnen und Bürger betrachtet. Aufgabe von Verwaltung und Stadtrat ist in meinen Augen, das Leben der Bürger einfacher zu machen. Und Bürger schließt hier natürlich auch Unternehmen und Selbständig mit ein.

Die Digitalisierung bietet hier für diese Idee wahnsinnig viele Möglichkeiten. Über E-Government können wir Abläufe schneller und damit bürgerfreundlicher machen und gleichzeitig sehr viel automatisieren, um die Verwaltung zu verschlanken ohne MitarbeiterInnen zu überlasten. Eine Mängelmelder-App kann der direkte Draht zum den richtigen Abteilungen im Rathaus bei Meldungen und Beschwerden werden. Eine transparente Darstellung der gemeldeten Probleme inkl. des Bearbeitungsstands hält die BürgerInnen auf dem aktuellen Stand, ohne das vermehrte Nachfragen oder Doppelmeldungen Arbeitszeit binden.

Der Standort Iserlohn ist bereits heute sehr gut aufgestellt, wobei sich die Fehler der Vergangenheit allmählich rächen. Unsere Lage in NRW, die Autobahnanbindung, der teilweise dörflich, ländliche Charakter gepaart mit städtischem Flair wären eigentlich perfekte Voraussetzungen. Großen Nachholbedarf haben wir im Wohnungsbau, gerade im bezahlbaren Bereich und unsere Vorräte an Industrie- und Gewerbeflächen sind aufgebraucht, weil verpasst wurde rechtzeitig mit der Entwicklung neuer Flächen, günstigstenfalls interkommunal, zu beginnen bzw. brachliegende Flächen aktiv zu vermarkten.

Zusätzlich müssen wir beginnen unsere Hausaufgaben in der Stadtplanung zu machen. Wir brauchen ein modernes Innenstadtkonzept vom Bahnhof bis zum Schillerplatz, um die Lebens- und Aufenthaltsqualität unserer Innenstadt den Anforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen. Der Weggang von Karstadt ist ein großes Problem, kann aber in diesem Kontext auch zu einer großen Chance werden. Ich wünsche mir einen City-Manager, der für die Attraktivität der Innenstädte in Iserlohn verantwortlich ist. Es sollte nicht nur ein „Leerstands-Kataster“ geführt werden, sondern auch der Branchenmix unserer Innenstadt im Blick behalten werden.

Durch den Wegfall von Karstadt haben wir z.B. keinen Spielwarenladen mehr in Iserlohn. Ich stelle mir nun vor, dass ein City-Manager durch gezielte Ansprache des Spielwarenhandels z.B. auf Spielwarenmessen etc. das Angebot mit dem Bedarf und den möglichen Ladenlokalen zusammenbringen sollte.

Und dann schließt sich der Kreis, wenn wir es schaffen, eine bürgerfreundliche Stadt mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität zu werden, die bezahlbaren Wohnraum für alle gesellschaftlichen Gruppen und lebendige Innenstädte anbieten kann, werden wir interessant für Unternehmen aller Art, wenn diese hier passgenaue Angebote zur Ansiedlung finden.

Neben der Digitalisierung waren vor allem Mobilität und Klimaschutz die großen Themen vor Corona. Wie stehen Sie der E-Mobilität gegenüber und was würden Sie als Iserlohns Bürgermeister im Bereich Umwelt-Klimaschutz gern umsetzen?

Michael Joithe: Meiner Meinung nach ist E-Mobilität die Zukunft. Die Frage wird nicht sein, ob ein Verbrennungsmotor oder ein Elektromotor in 15 Jahren die Vielzahl der Neufahrzeuge antreiben wird. Die Frage wird eher lauten, ob der Strom für den E-Motor aus Batterien oder anderen Quellen kommen wird. Hier erwartet uns eine spannende Entwicklung, die wir auch in Iserlohn sehr gut beobachten sollten, um die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Der Ausbau der sogenannten erneuerbaren Energien ist bereits losgelöst vom Klimawandel in unserem eigenen Interesse. Als Land, welches über keine nennenswerten fossilen Rohstoffe verfügt, sollten wir ein großes eigenes Interesse daran haben, so weit wie möglich autark zu werden. Je weniger fossile Brennstoffe wir benötigen, umso weniger müssen wir importieren und umso weniger sind wir abhängig. Daher sollten wir uns nicht in Grundsatzdiskussionen verrennen, sondern jetzt einfach mal beginnen, die Möglichkeiten der aktuellen Technik zu nutzen.

Da Windkraft, welche zweifelsohne ein wichtiger Bestandteil der Energiewende ist, enorme Widerstände in der Bevölkerung erfährt, möchte ich mich lieber auf das schnell und unkompliziert umsetzbare Konzentrieren, statt jahrelangen Stillstand durch Gerichtsverfahren zu riskieren.

Ich wünsche mir daher, dass Photovoltaik zum Standard für Dächer, Carports, Großparkplätze, Terrassen-Überdachungen, uvm. wird. In diesem Feld hat Iserlohn enormen Aufholbedarf. Wie kann es sein, dass für 60 Millionen Euro eine neue Schule gebaut wird und auf dem riesigen Gebäudekomplex wird keine PVA installiert? Ich möchte, dass der „Heimatversorger“ in Zusammenarbeit mit unseren Hochschulen einer flächendeckenden PVA Versorgung auf dem Stadtgebiet Priorität einräumt.

Da insbesondere bei Photovoltaik die Erzeugung und der Bedarf des Stroms zeitlich nicht immer zusammenfallen, müssen intelligente Speichertechnologien erforscht und eingesetzt werden. Ich halte die Umwandlung/Speicherung von überschüssigem Sonnenstrom in Wasserstoff für eine Zukunftstechnologie. Die Effizienz, der Wirkungsgrad wird ständig verbessert und Iserlohn kann auch in diesem Themenkomplex eine Vorreiterrolle einnehmen. Neben einer Speicherung in Wasserstoff halte ich die praxisnahe Forschung der Firma REMONDIS im Bereich der „Second-Use-Batterie“ für sehr interessant. Hierbei werden ausgediente PKW-Batterien genutzt um riesige Akku-Speicher aufzubauen, in welchem überschüssiger Strom zwischengespeichert wird.

Beide Technologien möchte ich unter Einbeziehung unserer Hochschulen in Iserlohn vorantreiben. Damit können wir nicht nur die ersten Schritte in Richtung einer komplett energieautarken Kommune machen, sondern werden zusätzlich als Standort für in diesem Bereich forschende Unternehmen interessant.

Bei der Umsetzung der genannten Ideen möchte ich versuchen zu erreichen, dass möglichst alle Bürger unserer Stadt davon profitieren. Zunächst können wir alle über den Strompreis davon profitieren. Zusätzlich möchte ich die Umsetzung und Finanzierung dieser Zukunftsvision bestenfalls mit Hilfe von Bürger-Genossenschaften prüfen, um unabhängig von den „Big Four“ der Stromkonzerne zu werden. Bürger für Bürger – Gemeinsam in eine saubere Zukunft!!

Wie würden Sie die Themen Familie und Freizeit angehen, um im Zuge des demographischen Wandels, auch die Familienfreundlichkeit Iserlohns zu stärken und somit den Verbleib bzw. die Ansiedlung von Bürgern zu unterstützen?

Michael Joithe: Neben den bereits in den vorhergehenden Antworten dargelegten Dingen, ist es wichtig, dass wir den Menschen zuhören und losgelöst von den eigenen Vorstellungen den Ideen und Vorstellungen der Bürger eine Stimme geben. Fragen wir doch in vielen Fragen besser die Betroffenen, wie sich die Stadt verändern soll. Ansonsten kann ich nur wiederholen, was ich bereits geantwortet habe: Bezahlbarer Wohnraum für alle gesellschaftlichen Gruppen, eine hohe Lebens- und Aufenthaltsqualität unserer Stadt, Unternehmen, die Arbeitsplätze anbieten und natürliche eine bürgerfreundliche Verwaltung sind Grundpfeiler, die Bürgerinnen und Bürger nicht nur in unserer Stadt halten, sondern den benötigten Zuzug wahrscheinlicher werden lassen.

Auch wenn es natürlich immer Verbesserungsmöglichkeiten gibt, sind wir in der Frage der Familienfreundlichkeit in Iserlohn durch unsere Schullandschaft, das für viele Familien kostenfreie OGS Angebot, hervorragenden Kindertagesstätten etc., schon auf einem sehr guten Weg.

Welche weiteren Themen sind für Sie wichtig?
Michael Joithe:
• Echte Bürgerbeteiligung
• Transparenz von Rats- und Verwaltungsarbeit
• 100% Bürgerorientierung der Verwaltung
• Denken in Parteigrenzen stoppen und gemeinsam beste Lösungen erarbeiten
• Iserlohn fit für das 21. Jahrhundert machen

Abschließend bitte ich Sie noch die angefangenen Sätze zu vollenden.

Iserlohn ist…meine Heimatstadt, für die ich mich gerne zu 100% engagiere.

Bei dem Begriff „Citymanager“ denke ich… an einen der wichtigsten Posten für lebendige Innenstädte in unserer Stadt.

Auf dem Gelände rund um den Schillerplatz sehe ich in fünf Jahren… das, was die Mehrzahl der Iserlohner Bürgerinnen und Bürger dort sieht. Persönlich kann ich mir eine mit Leben gefüllte Parklandschaft vorstellen.

Wenn ich am 13. September nicht zum Bürgermeister gewählt werde…werde ich trotzdem als gewähltes Ratsmitglied Verantwortung für unsere Stadt übernehmen.