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Interview mit dem Bürgermeister Michael Joithe

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Wir begrüßen den amtierenden Bürgermeister von Iserlohn zu einem kleinen Interview betreffend: „Die ersten 3 Monate im Amt“ 

Hallo Herr Joithe und Danke, dass Sie trotz der Ausnahmesituation für ein Interview zur Verfügung stehen. Nun haben Sie die ersten 3 Monate im Amt hinter sich und neben den bekannten Baustellen wie Haushalt, Schillerplatz, Rathaus oder Abfindungsaffäre, kam nun auch noch der verschärfte Lockdown und das Impfzentrum hinzu.

Fotograf: Lutz Tölle

Mal Hand auf’s Herz: Gab es schon Momente, in denen Sie sich gedacht haben: Das Bürgermeister-Sein hab‘ ich mir dann doch ein bisschen anders vorgestellt?

Michael Joithe: Natürlich ist ein Start in ein neues Amt unter diesen Voraussetzungen alles andere als ideal, aber wir sind auch nicht bei „wünsch dir was“. Ich war mir von Anfang an dessen bewusst, dass die Position als Behördenleiter und Bürgermeister alles andere als leicht werden würde. Politischen Gegenwind, sowie große Aufgaben und Probleme waren ja zu erwarten. Da ist die Pandemie auch nur eine weitere Herausforderung, die wir am Ende meistern werden. Es bringt ja auch nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Ich bin angetreten, um unserer Stadt wieder die Führung zu geben, die Sie dringend braucht. Und das ist noch immer mein Ziel.

Welche Aufgaben fordern Sie derzeit als Bürgermeister am meisten?

Michael Joithe: Tatsächlich lässt sich das gar nicht auf einzelne Aufgaben oder Probleme reduzieren. Machen wir uns nichts vor, als Bürgermeister ist man immer für alles verantwortlich, egal ob man es ist oder nicht. Impfzentrum in Iserlohn – die Verwaltung und der Bürgermeister haben es (noch) nicht hinbekommen, um nur ein Beispiel zu nennen. Oder die Erwartung, dass ein neuer BM mit Amtsantritt quasi alle Probleme, die sich über Jahrzehnte aufgebaut haben, löst. Das kostet schon enorm viel Kraft. Inhaltlich ist aber sicher die Haushaltslage der Stadt Iserlohn DIE große Herausforderung. Die Lage ist weitaus schlimmer als vorher befürchtet und ich habe leider das Gefühl, der Ernst der Lage ist entweder noch nicht überall angekommen oder wird bewusst ignoriert.

Ihre frühere berufliche Tätigkeit ist mit dem Amt des Bürgermeisters nur bedingt zu vergleichen. Wie haben Sie sich einen ersten Überblick verschafft, und war es eine große Umstellung jetzt Vorgesetzter von rund 1800 Beschäftigten zu sein?

Michael Joithe: Ja, das ist es in der Tat – aber eine erwartete Umstellung. Ich kann eine Behörde nicht wie ein Unternehmen führen. Das war mir natürlich vorher bewusst. Ich bin aber tatsächlich trotzdem von einigen Dingen überrascht worden: Sachliche und formelle Zwänge, wie zum Beispiel Beteiligungsverfahren bei Entscheidungen oder auch die Tatsache, dass Stellenbewertungen und Dienstverteilungspläne ein sehr enges Korsett sein können. Innovation und schnelle Reaktion auf besondere Situationen waren als Chef eines Familienunternehmens durchaus leichter. Trotzdem fühle ich mich in der Verwaltung sehr gut aufgenommen und muss den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danken, dass ich so viel Unterstützung bekomme. Einen Überblick versuche ich zu bekommen, indem ich zum einen mit offenen Augen und Ohren durchs Rathaus gehe und zum anderen den Menschen zuhöre und gleichzeitig aber versuche, aus vielen Puzzleteilen ein Gesamtbild zu bauen. Eindimensional sind die Dinge eher selten.

Eines Ihrer großen Ziele waren die Transparenz von Rats- und Verwaltungsarbeit sowie Bürgerbeteiligung. Konnten Sie zu diesen Themen aus Ihrem Wahlkampf bereits etwas auf den Weg bringen oder umsetzen?

Michael Joithe: Tatsächlich ist dies ein Punkt, wo Corona mich mächtig ärgert. In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Versammlungsverboten ist Bürgernähe und Beteiligung natürlich verständlicherweise etwas problematisch. Ich wäre bereits jetzt gerne sehr viel mehr beim Bürger vor Ort.

Aber es sind ganz viele Dinge bereits in der Pipeline und können, wenn es dafür auch die nötigen politischen Beschlüsse gibt, hoffentlich bald umgesetzt werden. So arbeiten wir aktuell mit Hochdruck an einem digitalen Beteiligungsverfahren für anstehende Projekte. Dort haben Bürger nicht nur die Möglichkeit, sich an der Entscheidungsfindung durch Beiträge zu beteiligen, sondern bekommen auch eine Plattform, auf der sie am Ende sehen können, ob und in welcher Form ihre Anmerkungen eingeflossen sind. Losgelöst von politischen Mehrheiten habe ich einige Dinge aber auch schon selbst angestoßen. Durch Videobotschaften und stärkere Präsenz in den sozialen Medien versuche ich näher am Bürger zu sein. Mein Team und ich versuchen auf Kontaktaufnahmen zügig zu reagieren. Eine Bürgermeistersprechstunde, nicht nur im Rathaus, sondern abwechselnd auch in Letmathe und Hennen, startet, sobald die Pandemie es zulässt.

Stichwort „Innenstadt“: Trotz erfreulich sinkender Zahlen hat uns die Coronakrise derzeit im Griff und vor allem der Handel und die Gastronomie leidet extrem darunter. Neben der Anbringung von abendlichen Leuchtringen vermissen die Innenstadtakteure bis dato eine wirkliche Unterstützung auch von Seiten der Stadtverwaltung Iserlohn. Planen Sie, außer die Bewerbung auf das Programm City-Lab, in diesem Bereich weitere Maßnahmen, um die Innenstädte Iserlohn & Letmathe zu unterstützen?

Michael Joithe: Natürlich! Aber ich befürchte dafür gibt es keine Patentlösungen. Das Stadtmarketing aus meinem Ressort und die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung erarbeiten gemeinsam Strategien und stehen in engem Austausch mit den beiden Werbegemeinschaften Iserlohn und Letmathe. Wir planen trotz der noch ungewissen Situation bereits jetzt den Veranstaltungsplan für das gesamte Jahr, um sofort loslegen zu können, wenn es wieder erlaubt ist.

Über ein Programm zur Belebung der Innenstadt versuchen wir den Leerstand durch auf zwei Jahre befristete Sonderkonditionen bei der Vermietung zu reduzieren und wir haben unsere Unterstützung der Werbegemeinschaften bei der Einführung eines Stadt-Gutschein-Systems zugesagt. So ein System steht und fällt aber natürlich mit einer flächendeckenden Teilnahme der Händler, Gastronomie und Gewerbe der Innenstädte. Hier ist zunächst die solidarische Zusammenarbeit aller Unternehmer der Innenstädte nötig.

Wir müssen aber auch ehrlich genug sein, um offen zu sagen, die Haushaltslage unserer Stadt lässt kein groß angelegtes Unterstützungsprogramm finanzieller Art zu. Daher versuchen wir zusätzlich mit den Dingen, die wir ohne große Kosten leisten können, unseren Teil beizutragen. Wir versuchen aktuell durch unbürokratische Verwaltungsarbeit den Innenstadtunternehmen zu helfen. Zum Beispiel Sondergenehmigungen zum Befahren der Fußgängerzone für gastronomische Betriebe, um so einen Lieferdienst zu betreiben, wurden ohne große Formalia verlängert. Außengastronomie durfte in Zeiten als dies möglich war, großflächiger als ursprünglich zulässig betrieben werdet etc.

Danke für die offenen Worte. Zum Programm zur Belebung der Innenstadt, werden wir die nächsten Tage auch ausführlich berichten. Kommen wir zum 2.Teil des Interviews.

VORHER

Containerstandort Hansaallee / Ecke Teutoburger Straße außer Betrieb

WEITER

Interview mit dem Bürgermeister Michael Joithe (Teil 2)