Iserlohn zeigt Flagge gegen Gewalt an Frauen

Iserlohn zeigt Flagge gegen Gewalt an Frauen

Jedes Jahr am 25. November findet der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen statt. Auch in Iserlohn wird dieser Tag genutzt, um auf das Thema aufmerksam zu machen und ein Zeichen zu setzen. Bürgermeister Michael Joithe und die Gleichstellungsbeauftragte Patricia da Cruz Santos haben an diesem Tag gemeinsam vor dem Rathaus eine „TERRE DES FEMMES“-Fahne gehisst. Die blaue Fahne mit der Frauenfigur und dem Slogan „frei leben – ohne Gewalt“ steht symbolisch für ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes und freies Leben von Mädchen und Frauen.

Seit 2001 ruft die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES am 25. November weltweit dazu auf sich an der Fahnenaktion zu beteiligen und gewaltbetroffenen Frauen eine Stimme zu geben.
Jede vierte Frau in Deutschland wird mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner, weiß Bürgermeister Michael Joithe: „Das Thema Gewalt gegen Frauen betrifft uns alle. Partnerschaftsgewalt kann in der Nachbarschaft oder im engsten Angehörigen- oder Freundeskreis vorkommen – unabhängig von Alter, Nationalität oder Herkunft. Die gesamte Familie der Betroffenen leidet unter der Situation, insbesondere Kinder sind einer großen Belastung ausgesetzt. Darum ist es wichtig, nicht wegzuschauen, Betroffenen Hilfe anzubieten oder im Akutfall die Polizei zu verständigen.“

Anlässlich des Welttages werden in Iserlohn am Abend mehrere Gebäude orange beleuchtet. Die vor Ort vom Zonta Club Iserlohn initiierte Aktion „Orange your City“ soll symbolisch das Dunkelfeld von Gewalt an Frauen und Mädchen ausleuchten. Beleuchtet werden unter anderem die Stadtmauer vom Fritz-Kühn-Platz aus, die Oberste Stadtkirche, das Alte Rathaus, das Stadtmuseum, die Aloysius-Kirche und die Fachhochschule.

Häusliche Gewalt ist auch im Märkischen Kreis ein Thema. Durch die Arbeit der „Runden Tische gegen häusliche Gewalt im MK“ engagieren sich Frauenberatungsstellen, Frauenhaus, Jugendämter, Kinderschutzbund, Polizei, Staatsanwaltschaft, Hilfeeinrichtungen und Gleichstellungsstellen gemeinsam gegen häusliche Gewalt. Die Iserlohner Gleichstellungsbeauftragte Patricia da Cruz Santos, die im Koordinierungskreis der Runden Tische aktiv ist, freut sich, die neuen Info-Flyer „Häusliche Gewalt ist strafbar!“ vorstellen zu können. Die Flyer klären in zehn Sprachen über häusliche Gewalt auf und zeigen, an wen sich Betroffene und Angehörige im Märkischen Kreis wenden können.

Die Zahl der Opfer partnerschaftlicher Gewaltdelikte steigt seit Jahren konstant an. Das zeigen die neuen Zahlen der „Kriminalstatistischen Auswertung zu Partnerschaftsgewalt 2019“ des BKA.
Demnach wurden 2019 insgesamt 141.792 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt (2015 waren es 127.457 Opfer, 2017 schon 138.893). Davon waren über 81 Prozent weiblich. Für 117 Frauen endete die Gewalt tödlich. Die Statistik erfasste Delikte wie vorsätzliche, einfache und gefährliche Körperverletzung, Bedrohung, Stalking, Nötigung, Freiheitsberaubung, Mord und Totschlag.
Statistisch wird alle 45 Minuten eine Frau Opfer von vollendeter oder versuchter gefährlicher Körperverletzung durch ihren Partner. An jedem dritten Tag stirbt eine Frau an den Folgen der Gewalt.
Die Kriminalstatistik beschreibt allerdings nur den Umfang polizeilich bekannter Fälle von Partnerschaftsgewalt. Die Dunkelziffer ist, laut Experten, extrem hoch.

Seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnen Hilfe- und Beratungsstellen einen deutlichen Anstieg an Anfragen. Einschränkungen des öffentlichen Lebens und fehlende soziale Kontakte treffen von Gewalt betroffene Frauen und Kinder besonders hart. Zu oft wird das Thema nicht ernst genommen oder bagatellisiert. Die Folge ist, dass die Opfer aus Angst und Scham schweigen.

Einrichtungen und Hilfestellen, die gerne mit dem Flyer arbeiten möchten, können sich bei der Gleichstellungsstelle der Stadt Iserlohn unter der Rufnummer 02371 / 217-1330 oder per E-Mail an patricia.dacruzsantos@iserlohn.de melden. Auch Betroffenen und Angehörigen bietet die Frauenberatung der Gleichstellungsstelle Informationen sowie kostenlose und vertrauliche Beratung an: Marina Berchem ist montags, mittwochs und donnerstags telefonisch unter 02371 / 217-1332 oder per E-Mail an marina.berchem@iserlohn.de erreichbar.

Betroffene können sich zudem Tag und Nacht an das Hilfetelefon 08000 116 016 wenden. Die Beratung ist kostenlos, anonym und in siebzehn Fremdsprachen und in Gebärdensprache möglich.
Kontakt zum Frauenhaus Iserlohn erhalten Opfer von häuslicher Gewalt telefonisch unter 02371 / 12585.
Auch für männliche Opfer von (Partnerschafts-)Gewalt gibt es Hilfe. Unter der Nummer 0800 1239900 können sich gewaltbetroffene Männer beraten lassen.

Quelle: Stadt Iserlohn